Warum Barhuf?

Warum Barhuf?

Der Huf

Um sich bewusst zu werden, was der Unterschied zwischen Barhuf und Eisenbeschlag für das Pferd bedeutet, sollte man sich zuerst bewusst werden, was der Huf überhaupt ist und wie er funktioniert.

Ganz banal beschrieben besteht der Huf aus mehreren Bestandteilen. Aussenrum ist die Hornkapsel, die harte Schicht des Hufes, die man sieht. Auf der Innenseite dieser Hornkapsel ist eine Lamellenschicht, welche die Verbindung zum Hufbein, dem Knochen im Huf bildet. Das Hufbein ist durch die Lamellenschicht in der Hornkapsel aufgehängt. Vom Prinzip her vergleichbar mit einem Trampolin: Das Gestell rundherum stellt die Hornkapsel dar, die Lamellenschicht ist vergleichbar mit den Federn und wie die Sprungmatte darin aufgehängt ist, so hängt der Knochen in den Lamellen. Anders als beim Metallgestell des Trampolins ist die Hornkapsel jedoch flexibler, sie ist beweglich.

Das Horn, welches mit unseren Fingernägeln zu vergleichen ist, wird von einer sogenannten Lederhaut produziert, welche das ganze Hufbein umgibt. Von der Lederhaut ausgehend wächst das Horn gegen unten. Wenn das Horn belastet wird, oder Bewegung erfährt, so bekommt die darunterliegende Lederhaut Reize. Diese Reize sind für die Lederhaut ein Signal, dass sie Horn produzieren soll. Je mehr Bewegung, desto mehr Abrieb, je mehr Abrieb, desto mehr Horn produziert sie. So hält sich der Huf eines Pferdes im Gleichgewicht zwischen Abrieb und Hornproduktion. Damit die Lederhaut hochwertiges Horn produzieren kann, braucht sie Nährstoffe, welche durch das Blut zugeführt werden. Zugleich können über das Blut auch Schadstoffe abtransportiert werden. Das heisst, dass eine gute Blutzirkulation von Nöten ist. Im Huf, und im ganzen unteren Teil des Beines sind jedoch keine Muskeln zu finden, welche die Blutzirkulation fördern könnten. Durch das Belasten des Hufes weitet sich die Hornkapsel, und zieht sich beim Entlasten zusammen, sie bewegt sich beim Auftreten auf Unebenheiten, und bringt dadurch Bewegung in den Huf. Durch diese Bewegung werden die Blutgefässe in den Lederhäuten auseinandergezogen, zusammengedrückt und bewegt. Dies unterstützt die Blutzirkulation im Huf. Der Huf wirkt so wie eine weitere Blutpumpe, die das Herz unterstützt. Man sagt ja oft, das Pferd hat fünf Herzen, ein echtes und die vier Hufe.

 Das Hufeisen

Das Pferd wird schon lange als Nutztier gehalten, zu Zwecken der Landwirtschaft, zum Transportieren von Gütern oder auch im Krieg. Es gibt Arbeiten, bei denen erfährt der Huf einen übernatürlich hohen Verschleiss. Die Produktionsfähigkeit der Lederhaut ist irgendwann an ihren Grenzen. Kann nicht noch mehr Horn produziert werden, so muss der Huf während der Arbeit vor Abrieb geschützt werden (und eigentlich nur dann). Schon in der Antike erfand man sogenannte Hipposandalen, eine dünne Metallplatte die rundherum nach oben gebogen wurde, so dass diese am Huf hält. Später reichte diese einfache Art des Hufschuhs nicht mehr, und es wurde das genagelte Eisen erfunden. Gerade in den Kriegen, als die Pferde zum Beispiel Kanonen schleppen mussten, da konnte man es sich nicht leisten, dass die Pferde innert Kürze nicht mehr zu gebrauchen waren und das Hufeisen leistete da gute Dienste. Natürlich auch in der Landwirtschaft und bei Transporten wurde dieser Arbeitsschutz gerne verwendet. Es wurde zur Norm, dass ein Pferd mit Eisen Beschlagen wurde.

 Auswirkungen des Hufeisens

Das Hufeisen ist hart, da sind sich wohl alle einig. Hart sein muss es ja auch, um möglichst lange zu halten. Dadurch dass es hart ist, verunmöglicht es dem Huf jedoch, dass dieser sich bewegt. Er kann keine Unebenheiten mehr ausgleichen mit der Hornkapsel und die Blutpumpe funktioniert auch kaum noch. Vier von fünf Herzen werden totgestellt. Dadurch dass die Hornkapsel die Unebenheiten nicht mehr ausgleichen kann, müssen dies die Gelenke übernehmen, welche nicht für eine solche seitliche Bewegung vorgesehen sind. Das bedeutet dass eine übermässige Belastung auf die Gelenke stattfindet, sobald der Huf durch ein Eisen beschlagen wird. Gelenkprobleme, Arthrose und anderes können frühe Folgen sein. Dadurch dass die Blutzirkulation gemäss diversen Studien etwa 80% geringer ist wenn ein Pferd Hufeisen trägt, bekommen die Lederhäute weniger Nährstoffe, und produzieren minderwertiges Horn. Das Eisen wird auf den frisch bearbeiteten Huf angepasst. In der Zeit bis zum nächsten Schmiedetermin wächst der Huf. Das Eisen bleibt in seiner Form und der Huf wir grösser und länger wenn er wächst. Durch dies entsteht eine Zwangssituation. Der Huf wächst, wird jedoch bis zu einem gewissen Grad in der engen Form gehalten. Dadurch entstehen grosse Kräfte, welche ich auf den Huf auswirken und dem Pferd Schmerzen bereiten würden. Zum Glück ist ja die Blutzirkulation derart stark reduziert, dass es dies nicht so stark empfindet, zudem kommt das Unbehagen ja schleichend, und es kann sich daran gewöhnen. Dir ist bestimmt auch schon mal der Fuss oder das Bein eingeschlafen, weil du ungünstig gelegen oder gesessen bist, so in etwa kannst du es dir vorstellen. Ist der Fuss eingeschlafen, ist er auch beinahe gefühlslos. Optimal wäre ja ein kurzer Beschlagsintervall, so dass keine grosse Zwangssituation entsteht. Schade dass dies nicht geht, denn das Horn muss genügend nachgewachsen sein, um neue Nagellöcher zu setzen und schon sind wir bei einem weiteren Punkt: Die Nagellöcher. Wenn das Eisen an den Huf genagelt wird, dann drückt der Nagel, der in den Huf geschlagen wird das Horn weg. Dies kann unter Umständen Druck auf innere Strukturen des Hufes geben oder Spannungen auf die Hornkapsel, was dann unerklärlicherweise plötzlich zu Rissen führen kann. Zudem bieten die Nagellöcher den Bakterien ein gemütliches und sicheres Zuhause. Genügend Platz ist vorhanden, es ist warm und feucht, und herausputzen kommt sie da bestimmt niemand, wie auch. Ebenso die Nagellöcher des vorherigen Beschlages, welche meist noch im Huf sind, bieten diese Gastfreundschaft für Bakterien. Sind sie da mal drin, bleiben sie da, kommt dann noch Dreck rein, so ist es Luftdicht abgeschlossen und dies mögen die anaeroben Bakterien sehr gern. Was ich jetzt noch nicht beschrieben habe ist, dass durch das harte Eisen viel grössere Schläge auf die Hufe einwirken, als wenn das Pferd auf seinem natürlichen Fuss laufen darf. Auch dass das Pferd nach jeder Bearbeitung, bei dem der Huf gekürzt wird, eine neue Situation an den Hufen vorfindet, und dies Einfluss auf den ganzen Bewegungsapparat hat, darauf geh ich nicht detailliert ein, das würde den Rahmen dieses Textes sprengen.

Permanenter Hufschutz

Das Pferd, welches täglich eine Stunde arbeitet und 23h rumsteht oder auf der Weide ist, braucht ja nicht einen permanenten Hufschutz. Es gibt eine Vielzahl an Schuhen, die während der Arbeit getragen werden können, um dem Pferd davor und danach ein natürlicheres Leben zu ermöglichen. Teste an dir selber: Trage 3 Monate lang deine Arbeitsschuhe Tag und Nacht und schau was deine Füsse dazu meinen.

Umstellung auf Barhuf – Die Auswirkungen

Kommt der Beschlag weg und darf das Pferd endlich wieder auf seinen natürlichen Füssen stehen, so ist dies zuerst mal sehr ungewohnt. Es hat nach der langen Eisenzeit minderwertiges Horn, einen geringen Wachstum und es ist ein unbekanntes Gefühl, wenn da plötzlich wieder ausreichend Blut durch die Adern fliesst. Kennt ihr das, wenn einem das Bein eingeschlafen ist, und das Blut wieder hindurch fliesst, dieses Kribbeln überall? Ja, so geht’s dem Pferdchen auch. Es bekommt wieder echte Gefühle in den Beinen und den Hufen und spürt auch wieder den Untergrund. Der Huf ist ein Tastorgan und kann Barhuf nun auch wieder als solches eingesetzt werden. In der Anfangsphase kann dies eine grosse Umstellung für das Pferd sein, da es dies nicht mehr kennt. Die Lederhäute bekommen wieder Nährstoffe und können beginnen gutes Horn zu produzieren. Auch erfahren sie wieder mehr Wachstumsreize und werden dadurch die Hornproduktion auch steigern. Durch die Bewegungsfähigkeit der Hornkapsel, die sie nun ohne Eisen wieder hat und dem Tastsinn, kann das Pferd trittsicherer werden, da es auch fühlt, wo es seinen Fuss hin stellt und sich dieser auch dem Gelände anpassen kann. Dadurch dass der Huf Abrieb erfährt, kürzt er sich selber und es gibt keine plötzlichen Stellungswechsel mehr wenn der Bearbeiter da war, sondern Fehlbelastungen und Fehlstellung können durch gezieltes ändern des Abriebverhaltens und der Einflussnahme auf die Belastungssituation reguliert werden. Der Huf kann so in seine Balance gebracht werden, um dem Pferd ein physiologisches Gehen zu ermöglichen. Korrekturen können langsam und auf das Pferd angepasst erfolgen.

Barhufgehen –> Fazit:

– Funktionierende Hufmechanik
– Versorgung der Lederhäute mit Nährstoffen
– Besserer Abtransport von Schadstoffen
– Bessere Hornqualität
– Korrekturmöglichkeit für Fehlbelastungen
– Weniger Rutschig (z.B. auf nassem Beton)
– Gute Zugänglichkeit zum Putzen (kein Eisen im weg)
– Natürlichere Pferdehaltung
– Weniger Belastung der Gelenke
– Weniger Schläge auf die Gelenke
– Keine Nagellöcher
– Keine Druckstellen durch Nägel
– Keine Plötzlichen Stellungswechsel
– Kein Totstellen des Tastorganes „Huf“
– Kein Zwang zu langen Bearbeitungsintervallen
– Kein unpassender Beschlag
– Weniger gefährlich für andere (Ausschlagen…)
– …

Bei der Umstellung erlebt das Pferd viel Neues und Unbekanntes, respektive wohl eher Vergessenes und deshalb muss dem Pferd auch die Zeit gegeben werden, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Die Umstellung sollte zudem durch eine Fachperson unterstützt werden, um bei Problemen helfen zu können. Der Huf braucht zu Beginn in den meisten Fällen während der Arbeit (Ausreiten) einen Hufschutz, denn direkt nach der Eisenabnahme ist die Hornqualität eher schlecht. Auch hier ist der Vergleich zum Menschen machbar. Geh mal Barfuss auf dem Kies spazieren, wenn du sonst immer Schuhe getragen hast, das Schmerzt. Aber je länger du Barfuss gehst, desto länger und besser kannst du auf dem Kies gehen. Die Füsse gewöhnen sich daran. Es ist auch für den Menschen gesund, Barfuss zu gehen!

Was man liebt, dem trägt man Sorge und sorgt bestmöglich dafür. Wie also sieht die huftechnische Zukunft aus bei deinem Pferd? Wie entscheidest du dich?

Bei Fragen könnt ihr mich natürlich jederzeit gerne kontaktieren.

info@molimo.ch